Mehr Daten allein führen nicht zu besseren Entscheiden

Kann ein Computer seine eigene Geschichte schreiben? Was ist genau der Unterschied zwischen Wissen und Weisheit? Und wie lässt sich das grosse medizinische Wissen auf einen einzelnen kranken Menschen übertragen? – Wenn drei Fachleute über «Digitalisation and Medicine: When the computer knows better» diskutieren, geht es rasch um Grundsätzliches.

Die Digitalisierung ist eine grosse Chance, darin sind sich die Gesprächspartner, die SWR-Präsident Gerd Folker zu «Science at Noon»* geladen hat, einig. Maschinen seien die besseren Datenspeicher als Menschen, betont Christian Lovis, Leiter Sciences de l'Information Médicale am Universitätsspital Genf. Doch es gehe auch um die intelligente Nutzung dieser Fakten, und schliesslich «braucht es Weisheit um zu entscheiden, wie man handeln will». Zum Beispiel, um unter den unzähligen automatisierten Alarmsignalen im Spital die wenigen echten Warnungen nicht zu verpassen. Ein weiser Mensch stelle zudem Fakten und Wissen immer wieder in Frage, fügt Susan Gasser, Direktorin des Friedrich Miescher Instituts und Mitglied des SWR, an. «Maschinen haben keine Zweifel.»

Man müsse sich bewusst sein, sagt Claudio Bassetti, Direktor Neurologie am Inselspital, dass viele Daten heutzutage aus rechtlichen Gründen erhoben würden. Die Tischrunde ist sich einig: Daten zu sammeln, ist sehr einfach; und genau das ist zu einem grossen Problem geworden. «Wir müssen einen vernünftigen Umgang mit Daten finden», appelliert Gasser. Nicht immer sei die Arbeit mit grösseren Datenmengen die beste Forschungsstrategie.

Es brauche mehr Auseinandersetzung zwischen Computer- und Medizinfachleuten, findet Lovis, denn reale Bedürfnisse im klinischen Alltag verlangten nach robusten und vertrauenswürdigen Lösungen. Während ein Computerprogramm Daten auswerte, betrachte ein Mensch den ganzen Patienten. «Niemand hofft, einen Roboter vor sich zu haben, wenn er krank ist», schliesst Bassetti. Eine sinnvolle Nutzung der neuen Technologien müsse die Arbeit der Ärztinnen und Pflegefachpersonen vereinfachen, damit wieder Zeit für Begegnungen unter Menschen zur Verfügung steht.


* Im Rahmen von «Science at Noon» bieten die Akademien der Wissenschaften eine Plattform zur Diskussion von wissenschaftlichen und wissenschaftspolitischen Themen. Die Veranstaltung vom 5. Juni 2019 haben der Schweizerische Wissenschaftsrat und die Akademien der Wissenschaften Schweiz gemeinsam organisiert http://www.akademien-schweiz.ch/index/Aktuell/Science-at-Noon.html.

 Science at Noon

 


 

Frühlingstreffen der Geschäftsstellen der nationalen Wissenschafts-, Technologie- und Innovationsräte

Am 17. Mai 2019 kamen Mitglieder der Geschäftsstellen verschiedener europäischen Wissenschafts-, Technologie und Innovationsräte zu ihrem halbjährlichen Treffen in Bern zusammen. Die Teilnehmenden wurden durch Gerd Folkers, Präsident des SWR begrüsst, welcher das Treffen veranstaltet hat. Gerd Folkers sah dieses Treffen als eine ausgezeichnete Gelegenheit, voneinander zu lernen und neue Sichtweisen zu gewinnen. Als Gastrednerin vermittelte Angelika Kalt, Direktorin des SNF, die Perspektive einer Förderin auf die Schweizer Forschungslandschaft. Ebenfalls diskutierten die Teilnehmenden über Erfahrungen und Herausforderung der Wirkungsmessung der Politberatung von Wissenschaftsräten. Das nächste Treffen wird im Dezember 2019 in Leuven (Belgien) stattfinden.

 

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